Aktuelles

Das Kreisforstamt und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie von Waldbesitzern beschäftigtes Personal und Dienstleistungsunternehmen setzen sich in vielfältiger Weise für die Wälder im Rhein-Neckar-Kreis ein. In der Öffentlichkeit wird vor allem die Holzernte wahrgenommen. Viele andere Arbeiten finden eher unbemerkt statt. In einer losen Serie berichten wir deshalb über die vielfältigen Aufgaben der Forstwirtschaft in der Schwetzinger Hardt.

 

21.05.2019

Was schätzen die Menschen in der Schwetzinger Hardt?

In einer groß angelegten Umfrage hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in den Modellregionen Stuttgart, Karlsruhe und Schwetzinger Hardt untersucht, was die Menschen von „ihrem“ Wald erwarten, wie sie ihn nutzen und was ihnen im Wald wichtig ist. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Sie wurden in anschaulichen Karten zusammengefasst.

 

Allein im Gebiet um die Schwetzinger Hardt haben sich 770 Personen an der Umfrage beteiligt. „Die Ergebnisse dieser Befragung sind nicht nur für die Wissenschaft interessant“, betont der Leiter der Kreisforstamtes Dr. Dieter Münch. „Auch für unsere praktische Arbeit im Waldschutzgebiet liefern sie uns wichtige Erkenntnisse. Die Umfrage hat uns beispielsweise gezeigt, welche Orte im Wald besonders beliebt sind bzw. welche nicht. Damit wir das Waldschutzgebiet mit seiner Erholungsfunktion auch in Zukunft weiter entwickeln können, brauchen wir diese Informationen.“

So haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie insgesamt 2021 Orte im Wald markiert, die für sie bedeutsam sind - und zwar im Hinblick auf: Erholung, Umweltbildung, die historische Bedeutung, Spiritualität, Inspiration, Schönheit und mehr. Aus der Auswertung all dieser Punkte ergeben sich Hotspot-Karten, die zeigen, welche Orte die Menschen im Wald besonders attraktiv finden. Rot eingefärbt sind dabei Bereiche mit einer sehr hohen Dichte dieser Markierungspunkte. Über gelb nach grün nimmt die Dichte dieser Punkte ab.

 

Anziehungspunkte im Wald sind demnach Gewässer (Hardtbach, Teich-Biotop), Naturschutzflächen wie die Walddünen und der „Kartoffelacker“, das Wildgehege und Infrastruktur zum Rasten (Hütten). Auch der Golfplatz und andere Angebote für sportliche Aktivitäten (z.B. der Trimm-Dich-Pfad) sind sehr beliebt. Eine geringere Rolle spielt dagegen, welche Baumarten vorkommen, wie alt und groß die Bäume sind oder ob das Kronendach eher licht oder geschlossen ist.

 

Was schätzen die Waldbesuchenden in der Hardt?

 

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Menschen mit der Schwetzinger Hardt viele (Kindheits-)Erinnerungen verbinden, gerne dort Sport machen, das Waldschutzgebiet für Ausflüge mit Familie und Freunden nutzen sowie dort Natur und Stille genießen.

Welche Aspekte im Wald für die Menschen von besonderer Bedeutung sind, illustriert folgende Grafik der FVA:

 

Für die Attraktivität des Erholungswaldes sind demnach nicht nur biologische und waldbauliche Faktoren entscheidend. „Die Menschen suchen in der Schwetzinger Hardt das Naturerlebnis. Das zeigt sich an der Beliebtheit der Biotope“, so Dr. Tina Gerstenberg von der FVA. „Zugleich schätzen die Befragten Orte, an denen sie sich mit Familie und Freunden treffen können, sie Anregungen für sportliche Aktivitäten vorfinden, Geschichte erlebbar wird oder Waldwissen ansprechend aufbereitet wurde.“


Welche Wege nutzen die Menschen?

 

Die Menschen nutzen in der Schwetzinger Hardt vor allem jene Wege, die verschiedene Hardtgemeinden miteinander verbinden. Rot eingefärbte Bereiche markieren eine sehr hohe Nutzungsintensität, die im Übergang zu gelb und grün abnimmt.


„Das hat für uns eine ganz praktische Bedeutung“, sagt Dr. Dieter Münch. „Wenn wir durch waldbauliche Arbeiten die Wege sperren oder verschmutzen, wissen wir jetzt genau: Welche der Wege sollten wir vorrangig wiederherstellen und für die Erholungssuchenden frei machen.“ Gerade für eine dicht besiedelte Region wie die Schwetzinger Hardt sind solche Informationen wichtig, um Konflikten systematisch vorzubeugen, die sich aus verschiedenen Nutzungsinteressen ergeben. Die Aussagen der Studienteilnehmer liefern viele Erkenntnisse, um den Dreiklang aus „Naturschutz“, „Holzproduktion“ und „Erholung“ in der Praxis umzusetzen.

 

Weitere Ergebnisse aus dem Projekt „Urban Forestry“

 

 

30.04.2019

Vom Sämling zum Baumriesen

Das Kreisforstamt kümmert sich um den Wiederaufbau trockenheitsgeschädigter Waldbestände in der Schwetzinger Hardt.

 

Vorsichtig setzt Forstwirt Jonas Senger die Kieferpflanze in das Pflanzloch.

Der trocken-heiße Sommer des Jahres 2018 hat zu deutlichen Lücken im Hardtwald geführt. Jetzt im Frühjahr werden die ersten Lücken wieder neu bepflanzt und gesät. Die Forstwirte des Landesbetriebs ForstBW haben im April unter anderem einen durch Sturm, Trockenheit und Folgeschäden abgestorbenen Kiefernbestand neu angelegt. Die Fläche grenzt von Südwesten her an den Viehtriebweg und befindet sich ungefähr auf Höhe des Bannwalds „Franzosenbusch“.

 

Welche Bereiche werden bepflanzt?


„Wir bepflanzen vor allem die Bereiche, wo Gräser, Moos oder Kronenreisig das Keimen feiner Samen erschweren“, erläutert Forstrevierleiter Achim Freund die Pläne in seinem Revier. „Hier auf dieser Fläche sind 3.000 kleine Kiefern vorgesehen, auf einer weiteren Fläche nochmal 2.000 Roteichen und im Herbst 5.000 Traubeneichen. Auf großen Teilen der freien Fläche haben wir aber auch mit einem Bagger den Boden frei geräumt. Hier können die Samen der verbliebenen Altbäume auf der Fläche oder aus den umliegenden Beständen gut keimen und anwachsen. Denn in der Regel ziehen wir die sogenannte Naturverjüngung der Pflanzung vor. Sollten je keine Samenbäume in der Nähe sein, haben wir zur Ergänzung noch zwei Kilogramm Kiefernsamen besorgt, das reicht für über 20.000 Quadratmeter aus!“

 

Bis zur Pflanzung werden die Pflänzchen in einem Eimer schön feucht gehalten.

Welche Baumarten kommen in Frage?


„Die Wuchsbedingungen für unsere Waldbäume verändern sich derzeit rasant, vor allem durch steigende Temperaturen und wenige Niederschläge in den Sommermonaten“, stellt Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamts fest. „Zunächst versuchen wir die am besten an Trockenheit und Wärme angepassten heimischen Baumarten, wie die Kiefer und die Traubeneiche zu verwenden. Letztere wird allerdings besonders gerne vom Maikäferengerling befallen. Gemeinsam mit der FVA Freiburg betreiben wir eine intensive Bestandserhebung der Maikäferengerlinge. Auf besonders stark befallenen Flächen wird vorerst nicht gepflanzt, auf weniger stark befallenen Flächen ist die Roteiche mitunter eine gute Alternative zur Traubeneiche. Sie wird nicht so sehr gefressen.“
 
Welche Chance haben die heute angelegten Waldbestände?


„Der Anwuchserfolg hängt stark vom Witterungsverlauf über die Sommermonate ab. Die Wurzeln der zarten Pflanzen reichen nur wenige Zentimeter in den Boden und auf der freien Fläche gibt es kaum Schatten. Regelmäßige und ergiebige Niederschläge sind dringend notwendig. Langfristig zielt unsere waldbauliche Pflege darauf ab, kräftige Bäume zu erhalten und zu dichte Bestände zu verhindern“, so Achim Freund.
„Und mit der weiter voranschreitenden Klimaveränderung“, ergänzt Dr. Münch, „wird auf den trockenen Sandböden alleine mit derzeit heimischen Baumarten nur schwer ein geschlossener Wald zu erhalten sein. Deshalb laufen erste Versuche mit Baumarten aus südlichen Ländern wie der Zeder, dem Baumhasel, der Hopfenbuche oder der Zerreiche.“

 

 

19.03.2019

Kiefern durch Trockenheit massiv geschädigt

Der Klimawandel wird in der Schwetzinger Hardt deutlich sichtbar: Die Trockenheit vom letzten Sommer und Sekundärschädlinge haben vor allem den Kiefern stark zugesetzt. Die Forstwirtschaft muss das Schadholz jetzt aufarbeiten und den Wald sukzessive mit klimastabileren Arten verjüngen. 

 

Die Trockenheit vom letzten Sommer zeigt Spuren: Die Altkiefern im Hintergrund sind nur schwach benadelt; noch deutlicher sind die Ausfälle beim Jungwuchs durch Trockenheit und Fraß der Maikäferengerlinge.

 

In den Wäldern der Unteren Lußhardt und der Schwetzinger Hardt werden derzeit große Holzmengen geerntet. Grund für die umfangreichen Fällmaßnahmen ist das Absterben der für diese Wälder so typischen Baumart Kiefer. Schon seit Jahren sorgt die Kombination aus sandigen Böden, Wassermangel und Fraß der Maikäferengerlinge für erhebliche Ausfälle.

Doch das, was sich seit vergangenem November abzeichnet, macht die Förster sprachlos. Vor allem ältere, über 70-jährige Kiefern sind nur spärlich benadelt, mitunter an jedem dritten bis vierten Baum erscheinen die Nadeln rötlich. Ein Pilz verursacht dieses Treibsterben. Sobald sich die Nadeln langsam rot verfärben, ist das Absterben nicht mehr aufzuhalten. Die Kiefer wird nicht mehr austreiben, sondern verliert bald ihre Nadeln und Rinde. Auch Laubbäume, vor allem die Buche, sterben zahlreich ab.

Diese Kiefer ist bereits vollständig abgestorben.

 

Trockenstress und Schädlinge machen den Bäumen zu schaffen

Auslöser für das beschleunigte Absterben ist in erster Linie die Trockenheit des vergangenen Jahres. Bei drei Grad Celsius über der langjährigen Durchschnittstemperatur fielen landesweit gerade einmal 54 Prozent der üblichen Regenmenge. Wenn der erhebliche Trockenstress alleine nicht tödlich war, so konnten Sekundärschädlinge wie Pracht- und Borkenkäfer sowie Pilze die geschwächten Bäume mühelos befallen und sie nun etwas zeitverzögert zum Absterben bringen.

Vorerst bleibt den Förstern nur, die kranken Bäume zeitnah zu fällen, solange das Holz noch nicht von Pilzen zersetzt und dadurch unverwertbar ist. So kommt es zumindest noch einer sinnvollen Verwendung zu. Bis April dieses Jahres werden nahezu 20.000 m³ Holz aufgearbeitet sein. Somit wird im Frühjahr bereits die Menge des regulären Holzeinschlags für das ganze Jahr erreicht sein.



    

Das Holz erst kürzlich abgestorbener Bäume ist noch von guter Qualität und kann als Bauholz verwendet werden.

 

Seit längerem abgestorbenes Holz wird zusehends von Pilzen zersetzt. Es verfärbt sich, wird mürbe und ist lediglich zur Herstellung von Spanplatten zu verwenden.

Verjüngung mit klimastabileren Baumarten

„Die großen Holzmengen entlang der Waldwege werfen nicht nur bei Waldbesuchenden Fragen auf. Es macht auch uns Forstleute fassungslos. Denn die Arbeit von Generationen an Förstern, Waldarbeitern und in der Vergangenheit auch Kulturfrauen, verschwindet innerhalb kürzester Zeit.“, erläutert Dr. Dieter Münch, Leiter des Forstamts Rhein-Neckar-Kreis, die aktuell schwierige Situation. In den Hardtwäldern der ohnehin klimatisch warmen nördlichen Oberrheinebene verändert sich das Klima offensichtlich schneller, als der Wald sich von selbst daran anpassen kann“, so Münch. Umso wichtiger ist es, dass durch aktives waldbauliches Handeln der Wald verjüngt wird und vermehrt klimastabile Baumarten wie heimische Eichen oder Hainbuchen aber auch Roteichen, mediterrane Eichen-Arten oder Atlas-Zedern angebaut werden.
„Die Wälder der Hardt sind in Bedrängnis!“, so Dr. Münch. „Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis für den ungewollt hohen Holzeinschlag.“